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5 Wochen - 1000 Eindrücke

  • Autorenbild: Jacky
    Jacky
  • 23. März 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Ich kann’s selbst kaum glauben – fünf Wochen bin ich jetzt schon in Chamazi bei den Samaritan Volunteers. Einerseits fühlt es sich an, als wäre ich erst vor ein paar Tagen angekommen. Andererseits… wow. Es ist so viel passiert, dass ich das Schreiben nutze, um alles nochmal Revue passieren zu lassen und zu ordnen.



Frühaufsteher-Vibes und Sand unter den Füßen


Seit Woche drei heißt es für mich: Morgensport um 6:30 Uhr – nicht täglich, aber immerhin zwei- bis dreimal die Woche. Warum so früh? Weil es noch unter 30 Grad ist und man sich halbwegs normal bewegen kann.


Ort des Geschehens: das Chamazi Stadium – ein Sandplatz, eingerahmt von alten Autoreifen, mit zwei Fußballtoren. Zwei Runden zum Aufwärmen, dann beginnt die Stunde mit dem „Master“, einem rund 60-jährigen Karate-Profi, der uns ordentlich in Bewegung bringt. Mittlerweile gehören wir dazu – rund zehn Locals kommen regelmäßig, und wir zählen gemeinsam auf Swahili, pushen uns gegenseitig und teilen den Muskelkater am nächsten Morgen.



Diese morgendlichen Sessions haben mir nicht nur Energie, sondern auch ein Gefühl von Verbindung gegeben – zu dem Ort hier und zu den Menschen. Und vielleicht genau deshalb haben mich die Hausbesuche in der letzten Woche so sehr bewegt.



Hausbesuche, harte Realität und große Herzen


Gemeinsam mit Emmanuel (dem Gründer der Organisation), Jackson (ein Mitarbeiter) und Madame Agia (Schulleiterin) haben wir vier Familien besucht, deren Kinder zur Schule der Samaritan Volunteers gehen – und die in sehr herausfordernden Lebensumständen leben.


Wir bringen das Nötigste: Zahnbürsten, Zahnpasta, Seife, Medizin, Maismehl, Säfte.


Die Wege zu den Häusern sind keine Wege – es sind Pfade aus Müll, Steinen, Stroh und natürlich Sand. Zwischen Ziegen und Hühnern bahnen wir uns den Weg durch die Hinterhöfe von Chamazi.


Wir sind bei Mariam: drei Jahre alt, lebt mit ihrer Schwester bei ihrer Großmutter. Ihre Eltern sind verstorben. In der Schule wirkt sie still, isst wenig, macht keine Hausaufgaben. Während wir sprechen, schläft sie auf dem Boden mitten im Wohnraum. Der geflieste Boden unter ihr ist eine Seltenheit in dieser Gegend. Die Wohnverhältnisse hier sind diesmal nicht furchtbar, aber es ist kein Einkommen da, um die Grundbedürfnisse zu sichern.


Auch die anderen Besuche hinterlassen Spuren. Viele der Kinder leben bei Verwandten, oft ohne geregeltes Einkommen. Es ist berührend und traurig – aber auch ermutigend zu sehen, wie die Organisation hier ganz konkret unterstützt.



Hier könnt ihr nochmal das Video dazu sehen:



Deine Hilfe macht den Unterschied


Gerade deshalb freut es mich umso mehr, dass wir mit unserer Spendenaktion bereits über 400 € gesammelt haben! Mit den Geldern wollen wir die Schule renovieren und noch bessere Lernbedingungen schaffen.


Jeder Euro zählt – und ich bin so dankbar für jede Person, die bereits gespendet hat. Falls du noch überlegst: Der Link ist in hier und deine Unterstützung kommt direkt dort an, wo sie gebraucht wird:



Danke, dass ihr Teil davon seid.




Nachbarn, Tee und Kinderlachen


Meine absoluten Lieblingsmomente sind die Abende in der Nachbarschaft. Wenn die Schule vorbei ist und die Abenddämmerung beginnt, füllt sich unsere kleine Straße mit Leben. Wir spielen mit den Kindern – eine wilde Mischung aus Englisch, Zeichensprache, Lachen und Improvisation.



Die Mamas laden uns regelmäßig zum Tee ein – selbstgemacht aus Ingwer, Nelken und viel Liebe. Uns wird gezeigt wie der Tee gekocht wird und dürfen mit anpacken. Wir unterhalten uns auf Englisch, erzählen von unseren Tagen und lachen gemeinsam über das große und kleine Alltagschaos.


Letzte Woche hatte Betty, eines der Nachbarskinder, Geburtstag. Zwölf Jahre – und das musste gefeiert werden. Wir haben Kuchen organisiert, Snacks, Getränke und unsere große Musikanlage. Es wurde getanzt, gelacht, gesungen. Ein Nachmittag voller Leben, voller Freude, voller Gemeinschaft.





Kamera läuft – und ich mittendrin!


Ich hatte es bereits in meiner Instagram story erwähnt: ich habe bei einem Videodreh mitgemacht.


Ein lokaler Elektrizitätsanbieter, der mit unserem Host zusammenarbeitet, hat uns gefragt, ob wir Lust hätten, in einem kleinen Werbevideo mitzuspielen. Natürlich hatten wir!


Also wurden zwei andere Freiwillige und ich kurzerhand zu „Kunden“ umfunktioniert. Ich durfte am Empfang sitzen, eine Broschüre in die Hand nehmen, interessiert blättern und fachmännisch nicken – alles unter vollem Kameraeinsatz.


Das Büro selbst war übrigens anders als erwartet: halb modern, halb Retro-Vibes mit einem kleinen Springbrunnen im Garten. Der Videodreh war auf jeden Fall ein lustiges Erlebnis, hat super viel Spaß gemacht, und wir haben herzlich gelacht.



Das fertige Video hab ich noch nicht gesehen – aber sobald es auftaucht, teile ich es natürlich mit euch!



Kleine Fluchten und große Aussichten


So gern ich auch hier bin – ich freue mich immer auf die Wochenenden. Wir unternehmen meistens Ausflüge, um die Umgebung zu entdecken und neue Energie zu tanken.


Letztes Wochenende sind wir für einen Tag ans Meer gefahren – nach Mbobgoyo Island. Ein echter Traum: weißer Sand, kaltes Wasser, eine sanfte Brise, die den Alltag kurz vergessen ließ. Wir haben uns in den Wellen treiben lassen und einfach nur den Moment genossen.



Am Sonntag wurde es wieder abenteuerlicher: Wandern in den Pugu Hills. Nach dem Regen war die Luftfeuchtigkeit fast greifbar – alles klebte, jeder Schritt war eine kleine Herausforderung. Aber die Natur war beeindruckend, unser Guide voller Wissen – und als wir oben ankamen, wurden wir mit einer Aussicht belohnt, die jeden Tropfen Schweiß wert war.




Abschiedsmomente


Diese Woche hieß es Abschied nehmen – eine Freiwillige, mit der ich in den letzten Wochen viel Zeit verbracht habe, ist abgereist. Sie ist mir ans Herz gewachsen und es fühlt sich an, als würde ein kleines Stück Familie abreist.


Man rechnet nicht damit, wie schnell man sich hier aneinander gewöhnt. Der gemeinsame Alltag, die intensiven Eindrücke, die Erlebnisse fernab von Zuhause – all das verbindet auf eine eigene Art. Und genau deshalb fällt der Abschied schwerer, als man es vielleicht erwartet hätte.


Für mich starten jetzt die letzten zwei Wochen hier. Ich versuche, jeden Moment noch bewusster zu erleben. Denn ich weiß jetzt schon: Chamazi wird für immer einen Platz in meinem Herzen haben.



Bis bald – und vielleicht ja beim nächsten Eintrag mit einem letzten Kapitel aus Chamazi.

 
 
 

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Jacky Mathea

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